Am Fuße des weithin sichtbaren, wiedererbauten Klosters
Montecassino in Italien reihen sich unter den Flaggen dieser Welt
Friedhof an Friedhof. Hier ruhen mehr als 16.000 Soldaten des 1. und
über 107.000 Gefallene des 2. Weltkrieges aus 32 Nationen. Im
Kampf gegeneinander grausam des Lebens beraubt, im Tod nun still
vereint klagen sie die Schrecken der Kriege an. Die mehr als 24.000
Gräber allein des deutschen Soldatenfriedhofes in der felsigen
Landschaft am Fuße des Klosters lassen heute nur noch erahnen,
welcher befohlener Kriegsirrsinn einst dort tobte. Hier, an der
sogenannten Gustav-Linie in Italien, lieferten sich alliierte und
deutsche Truppen die größte Völkerschlacht des 2.
Weltkrieges. Rund 50.000 deutsche Soldaten sollten unter dem Beschuss
von 1.600 Geschützen über 200.000 alliierte Kämpfer am
Durchbruch hindern. Das älteste Benediktiner-Kloster der Welt
wurde aufgrund der Vermutung, dort hätten sich deutsche Soldaten
verbarrikadiert, durch den schwersten Bombenangriff auf ein einzelnes
Gebäude vollständig in Schutt und Asche gelegt. Auch die
Stadt Casino und weitere umliegende Dörfer und Städte
wurden im Verlauf der Kämpfe komplett zerstört.
2. Weltkrieg, die Schlacht von Monte Cassino: Ende 1943 kam der
alliierte Vormarsch
in Italien an der von der deutschen Wehrmacht
quer durch das Land gezogenen "Gustav-Linie" zum Stehen.
Die Verteidigungsstellung war im Westen Italiens am stärksten
ausgebaut, um den Vorstoß der Alliierten durch das Liri-Tal
nach Rom zu verhindern. Einen zentralen Bestandteil im deutschen
Verteidigungskonzept stellte der Monte Cassino dar, der 520 Meter
über der Stadt Cassino aufragt. Auf seinem Gipfel befand sich
ein im Jahre 529 erbautes Benediktinerkloster. Am 17. Januar 1944
begannen die erfolglosen Frontalangriffe alliierter Truppen auf die
von den Deutschen stark befestigten Stellungen um die Stadt Cassino
und den Berggipfel. Die Sturmangriffe und verbissenen Grabenkämpfe
kosteten Verteidiger wie Angreifer unzählige Opfer. Zum Auftakt
einer zweiten Angriffswelle der neuseeländischen 2. Division
verlangte ihr Kommandeur General Bernard Freyberg (1889-1963) daher
die massive Bombardierung der Verteidigungsstellungen und des
Klosters, hinter dessen Mauern er eine deutsche Funk- und
Aufklärungsstation vermutete. Mit
Rücksicht auf die historische Bedeutung des Kulturdenkmals hatte
der deutsche Oberbefehlshaber in Italien, Albert
Kesselring, die Miteinbeziehung des Klosters in die Verteidigungsstellungen jedoch im Dezember 1943
ausdrücklich verboten. Das Betreten eines festgelegten
Sperrkreises um das Gebäude war den Wehrmachtssoldaten
untersagt. Zum Zeitpunkt des Angriffs von 229 amerikanischen
Kampfflugzeugen am 15. Februar 1944 hielten sich daher nur Mönche
und Flüchtlinge, zumeist Frauen und Kinder, in den
Kellergewölben des Klosters auf, das durch 500 Tonnen Spreng-
und Brandbomben bis auf die Grundmauern zerstört wurde.
Lediglich die frühmittelalterliche Krypta blieb unversehrt.
Unmittelbar nach der Bombardierung bezogen deutsche Truppen die
Ruinen des Klosters in ihre Verteidigungsstellungen mit ein, die
auch in den nächsten Monaten für die Angreifer uneinnehmbar
blieben. Erst ein angesichts der prekären militärischen
Situation in Italien von Kesselring am 17. Mai erteilter
Rückzugsbefehl für die Wehrmacht nach Norden ermöglichte
exilpolnischen Verbänden einen Tag später die Einnahme des
Klosters.
Hintergrund: Zwei Wochen nach Abschluss der alliierten Landung auf Sizilien setzten am 3. September zwei britische Divisionen erstmals auf das
italienische Festland an der "Stiefel-Spitze" in Kalabrien
über. Die Hauptmacht der alliierten Streitkräfte landete
sechs Tage später in Salerno südlich von Neapel. Beide
Städte konnten bis Anfang Oktober 1943 nur unter erheblichen
Verlusten eingenommen werden. Nach dem Sturz Benito
Mussolinis am 25. Juli 1943 und dem mit den Alliierten abgeschlossenen
Waffenstillstand durch die neue italienische Regierung unter Pietro
Badoglio (1871-1956) am 3. September musste sich die Wehrmacht der britisch-amerikanischen Angriffe ohne Unterstützung des
ehemaligen Achsenpartners
erwehren. Der eilig von der Ostfront
abgezogenen deutschen 10. Armee unter Generaloberst Heinrich von
Vietinghoff (1887-1952) gelang dabei nördlich von Neapel der
Aufbau einer quer über das italienische Festland verlaufenden
zusammenhängenden Frontlinie. Diese in den folgenden Monaten
ausgebaute "Gustav-Stellung" von der Garigliano-Mündung
am Tyrrhenischen Meer bis zur Mündung des Sangro an der Adria
erstreckte sich durch unwegsame Gebirgslandschaften. Ein schneller
Vorstoß der Alliierten nach Norden war dadurch unmöglich.
Die Kämpfe verharrten im Winter 1943/44 in Stellungskriegen,
wobei die Schlacht von Monte Cassino besonders heftig und für
beide Seiten verlustreich tobte.
Erst Ende Mai 1944 gelang den Alliierten eine Verbindung zu ihren am 22.
Januar 1944 hinter der deutschen Front in Anzio und Nettuno südlich
von Rom errichteten Brückenköpfen. Aufgrund des vom
deutschen Oberbefehlshaber in Italien, Albert
Kesselring, angeordneten Rückzugs seiner Truppen von der "Gustav-Stellung"
nach Norden konnten alliierte Verbände am 4. Juni kampflos und
unter dem Jubel der Bevölkerung in das von der Wehrmacht
geräumte Rom einmarschieren. Die deutsche Heeresgruppe C zog
sich in den folgenden Wochen hinter die 320 Kilometer lange
Apennin-Stellung ("Grüne Linie") zurück, die sich
von La Spezia über den Apennin bis in das ostitalienische Rimini
erstreckte. Schwere Angriffe der 5. US-Armee und der britischen 8.
Armee auf die Verteidigungsstellung mussten im Oktober 1944 wegen
einsetzender schwerer Regenfälle ergebnislos abgebrochen werden.
Aufgrund des ungewöhnlich harten Winters 1944/45 erstarrte die
italienische Front, die nach der alliierten Invasion
in der Normandie für beide Seiten ohnehin bis Mitte April 1945 nur noch einen
Nebenkriegsschauplatz darstellte.
Massive Bombardements auf deutsche Nachschublieferungen über den Brenner
sowie eine am 15. April 1945 von den Alliierten eröffnete
Großoffensive gegen die "Grüne Linie" führten
bei der deutschen Heeresführung in Italien zu der Erkenntnis,
dass die Lage für die Heeresgruppe C aussichtslos geworden war.
Entgegen einem ausdrücklichen Befehl von Adolf
Hitler kapitulierte Kesselrings Nachfolger Vietinghoff mit den in Italien
kämpfenden Wehrmachtsverbänden am 29. April 1945. (as)